BOHUMIL HRABAL

 "Ich bin jetzt oft auch vom Wunsch besessen, niemandem zu schaden außer mir selbst, vom Wunsch zu reisen, aber auf Kosten meiner Beine, vom Wunsch zu kämpfen, aber einzig und allein gegen mich selbst, vom Wunsch, alles auszurotten, was in mir Schlechtes und Kleinmütiges steckt, vom Wunsch, Revolution zu machen, aber nur gegen mich selbst, gegen all die Konventionen in meinem Inneren, vom Wunsch, Manifeste zu verfassen, aber nur gegen den Kleinbürger, der in mir haust. Ich bin vom Wunsch besessen, das Leben anderer zu leben, die kläglicher und schlechter dran sind als ich ... So kratze ich von der anderen Seite des Spiegels das Amalgam herunter, allmählich löse ich mein Porträt auf, um mich nach und nach zum Nichtspiegel durchzuspiegeln. Willst du schön sein? Bleib beim Rasieren zwei Minuten vor dem Spiegel stehen, vor deinem Gott ... Durch das entschlüpfte Bild spiegle dich zum Nichtspiegel durch, durch die Erinnerung in die Nichterinnerung ..."

Bohumil Hrabal, 1975 "Aus Briefen und Notizen"

        AUGnerin. Den eigenen Weg finden. Alltäglich. Fotos, Text ©zeitzugImpressum Renate Milena Findeis